I have a cunning plan

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Ihr kennt das: Jemand probiert mehrere Schlüssel durch und findet nach einigen Versuchen endlich den richtigen. In den meisten Fällen sagt man dann etwas in der Art von „Immer dasselbe, der letzte ist es!“. Das regt mich schon lange auf, weil NATÜRLICH ist es immer der letzte Schlüssel, schließlich macht man danach nicht weiter.

Ich komme darauf, weil es beim Suchen nach Dingen ähnlich ist. Die sind auch immer am letzten Ort, an dem man sucht. Ich suche relativ oft nach irgendwelchen Sachen, nicht weil ich übermäßig unordentlich bin, sondern weil ich oft umräume. Ich versuche immer, Dinge da abzulegen, wo sie sinnvollerweise hingehören, oder wo ich vorhersehe, dass ich sie suchen werde. Das haut nicht immer hin, wahrscheinlich deswegen, weil ich auch sehr zerstreut bin und nicht darauf achte, was ich tue.

Häufiges Opfer des Verlegens: mein oft getragener Lieblingsring. Den habe 2011 auf der Neuburger Hutschau bei Chantal Gagnon gekauft. Das war Liebe auf den ersten Blick.

Lieblingsring

Einmal verschwand der Ring auf der Geburtstagsfeier einer Freundin, auf der ich dann prompt alle verrückt gemacht habe. Besonders vexierlich war, dass ich mich gar nicht erinnern konnte, den überhaupt abgelegt zu haben. Auf der Heimfahrt tauchte er dann in meiner Handtasche wieder auf – in der ich natürlich noch vor Ort nachgesehen hatte.

Das ist bei mir übrigens der klassische Ablauf. Gegenstand X verschwindet, ich suche ihn da, wo er eigentlich immer ist, einmal, zweimal, mehrfach, ebenso zwanghaft wie vergeblich, bis er schließlich doch genau da wieder auftaucht, wo ich ihn schon von Anfang an gesucht hatte. Ein Mysterium.

Ein Ring mich in den Wahnsinn zu treiben

Am Montag war es wieder einmal soweit: Ich wollte meinen Ring anlegen, der Ring war nicht da. Ich hatte dann ein bisschen Gelegenheit, in meiner Panik („OHGOTTICHHABEMEINENLIEBLINGSRINGVERLOREN!“) zu schmoren, weil ich einen Termin bei meiner Zahnärztin hatte. Übrigens bekomme ich eine Beißschiene! Darüber ein andermal mehr. Mir fiel im Bus dann auch ein, dass ich am Samstag in einem Ingolstädter Möbelhaus beim Händewaschen den Ring vielleicht abgelegt hatte. Hatte ich den Ring überhaupt getragen? Ich konnte mich nicht erinnern.

Ein Anruf beim Möbelhaus ergab: Dort war mein Ring nicht. Die nette Dame am Empfang meinte, die Putzleute würden alles Gefundene immer sofort abgeben; es sei zwar nichts da, aber sie versprach, noch einmal extra nachzufragen.

Inzwischen suchte ich zuhause nach meinem bewährten – frustrierenden – Schema immer noch da, wo der Ring eigentlich sein sollte. (Spoilerwarnung: Da war er nicht.) Irgendwann wurde mir in einem untypischen Anfall von Vernunft klar, dass das ewige Suchen an einem Ort, wo das Ding einfach nicht war, nichts bringt und mich nur in den Wahnsinn treibt. Dieses Muster galt es also zu durchbrechen.

A cunning plan

Ich habe mir deswegen meinen schicken Küchenwecker im Retro-Look wahllos auf eine Zeit eingestellt und habe mein ringloses Leben vorerst weitergelebt.

Küchenwecker

Als der Wecker klingelte, war ich gerade im Bad und sortierte meine Zahnseide*. Die Zahnseide wohnt, zusammen mit meinen anderen Zahnpflegesachen**, auf dem hilfreichen Ikea-Grundtal-Wägelchen. Das Wägelchen habe ich weggeschoben, um es abzuräumen und auf einen eventuellen Ringgehalt zu untersuchen, und was war? Der Ring lag unter dem Wagen.

Das war buchstäblich der letzte Ort, an dem ich danach gesucht habe. Es wäre ehrlich gesagt auch im übertragenen Sinn der letzte Ort gewesen, an dem ich danach gesucht hätte, weil der Ring da wirklich nichts zu suchen hat. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber ich vermute, nein Mitbewohner hatte da seine Hand Pfote im Spiel.

Ich überlege mir, diesen neuen Suchansatz zu vermarkten. Hundertprozentige Erfolgsquote! Wo hat man sowas heutzutage noch?

—–

* Vier verschiedene Sorten Zahnseide, von denen ich überhaupt nur eine verwende! Madness.

** Darunter auch acht Sorten Zahnpasta, die ich aber wirklich alle verwende. Ich hab’s nicht so mit der Langeweile im Mund.

2 Gedanken zu „I have a cunning plan

  1. Also, wenn ich Dich jetzt richtig verstanden habe, ist die Idee, immer dann, wenn der Wecker klingelt, nach dem vermissten Gegenstand zu suchen, egal wie unwahrscheinlich der Ort auch sein mag? Und den Rest der Zeit nicht mit sinnlosem Suchen zu vergeuden?
    Ich will Dich ja jetzt nicht entmutigen, aber Du müsstest wohl schon noch ein paar andere Sachen nach dieser Methode finden, bevor Du sie als hundertprozentig erfolgversprechende vermarktest. Aber der Ansatz gefällt mir.

    1. Ach Schmarrn. Die ist JETZT hundertprozentig! Ich probier da gar nicht mehr lang rum! 😀
      Und ja, einfach da suchen, wo man steht. Die Gelegenheit zum Aufräumen nutzen, dann hat man da nie einen Schaden davon.

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