Mir ist eingefallen, dass ich euch ja noch die Fortsetzung  von neulich schuldig bin, zur Leistungsantragsabgabe.

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich bei meinem Termin neulich dachte, ich könne meinen Leistungsantrag abgeben; stattdessen ging es nur um ein Bewerbungsschreiben.

Am folgenden Montag hatte ich also einen Termin bei der Leistungsabteilung. Ich tappe also brav zum Amt und will meine Unterlagen abgeben, bei einer durchaus netten Frau, die nach bester Arbeitsagenturtradition namenlos bleibt.

Die Tür des Büros bleibt während des Termin natürlich offen. Wo kommen wir denn dahin, wenn jeder dahergelaufene Arbeitslose eine Privatsphäre will!

Es stellt sich heraus: Antrag kann nicht bearbeitet werden, weil:

  • auf der vom Arbeitgeber ausgefüllten Arbeitsbescheinigung kein Firmenstempel ist
  • die Kündigung nicht vorliegt
  • ich die Lohnsteuerkarte nicht dabei hatte (ja, blöd von mir)
  • meine Kundendaten aus Koblenz nicht vorliegen.

Richtig lustig ist das allerdings erst durch die Details: Firmenstempel ist kein Problem, weil Büro ja direkt ums Eck ist. Ich frage auch, ob ich dann noch mal einen Termin brauche, um die gestempelte Bescheinigung vorzulegen. Antwort: Nein, nicht nötig, einfach abgeben oder in den Briefkasten werfen.

Aha. Ich habe nicht gefragt, warum ich dass dann nicht alles am Freitag abgeben konnte, sondern mir extra einen Termin für Montag geben lassen musste. Gewundert habe ich mich aber schon.

“Ich brauch also nur den Stempel und dann gebe ich das wieder ab, ja?”

Naja, so einfach ist das nicht! Es fehlt nämlich außerdem meine Lohnsteuerkarte (gut, daran hätte ich denken können) und die Kündigung (“Aber die habe ich doch beim ersten Termin vorgelegt!” – “Hmm … wir haben da aber keine Kopie in den Unterlagen. Die brauchen wir!”

Ok, das alles beschaffen und vorbeibringen, und dann kann ich erfahren, was ich bekomme, ja?

Nein. Meine Kundendaten aus Koblenz liegen nicht vor, ohne die geht sowieso gar nichts. Die kann man zwar anfordern, aber dann dauert es ein paar Tage, bis die auch in  Lampertheim ankommen.

Ich bin dann also zu meiner Ex-Arbeitsstelle gegangen, habe die Arbeitsbescheinigung stempeln lassen, mit einem Stempel, auf dem noch die alte Adresse steht, es wurden seit dem Umzug im August 2010 keine neuen Stempel gemacht.

Zuhause habe ich dann die Kündigung und die Lohnsteuerkarte kopiert. Vorher habe ich aber noch bei der Arbeitsagentur angerufen (6 Minuten, drei Gesprächspartner, Servicenummer) und nachgefragt, ob eine Kopie der Lohnsteuerkarte reicht und die nicht vielleicht eher den Ausdruck zur elektronischen Lohnsteuerdaten brauchen. Nein, Lohnsteuerkarte – “es geht nur um die Daten vorne drauf, vor allem die Steuerklasse”.

Ich hab denen den ganzen Mist dann per Post geschickt. Zum Briefkasten laufe ich nämlich nur 10 Minuten, keine 25 wie zum Amt selbst.

Ja, ich bin faul.

Und jetzt fragen wir uns bestimmt alle dasselbe, oder?

Stempel – Was ist, wenn eine Firma keinen Stempel hat? Schließt das alle Entlassenen automatisch vom ALG aus?

Kündigung – Wie viele Leute kommen zu denen und behaupten fälschlicherweise, ihnen wäre gekündigt worden? Außerdem finde ich, es ist nicht meine Schuld, wenn sie das nicht gleich am Anfang kopieren – es war ja abzusehen, dass die Kündigung später nochmal gebraucht wird.

Lohnsteuerkarte – Die Daten der Lohnsteuerkarten werden im von mir auszufüllenden Formular ebenso abgefragt wie in der Arbeitsbescheinigung, die vom Arbeitgeber auszufüllen ist (und zu stempeln, ganz wichtig). Aber klar, ich könnte auch unberechtigterweise vorgeben, die begehrenswerte Steuerklasse I zu haben. Kommt bestimmt auch oft vor.

Kundendaten – Schon beim ersten Termin stand fest, dass ich vorher in Koblenz war. War also keine Überraschung, und man hätte die Daten vielleicht auch vorher anfordern können.

Seufz.

Übrigens hat mich Dierk nach meinem letzten Schwank vom Amt darauf hingewiesen, dass das natürlich nicht eure Steuergelder sind, die da durch Desinteresse und, ich sag mal, Inkompetenz verplempert werden.

Das sind die Beiträge zur Sozialversicherung, die da so hingebungsvoll und doch sinnlos verbrannt werden.

Stinksauer, sag ich euch. Gut, das ist nichts Neues, das kommt schon mal vor. Aber gerade bin ich so sauer, dass ich kotzen könnte.

Ich hatte heute einen Termin bei der Arbeitsagentur. Um 7:30 Uhr. Kein Problem für eine alte Frühaufsteherin wie mich, und wenigstens hat man es früh hinter sich und der Tag kann ununterbrochen weitergehen. Manchmal hat man ja was vor als Arbeitsloser. In Talkshows auftreten oder so.

In der Einladung stand: “Bringen Sie bitte noch zusätzlich folgende Unterlagen zu diesem Termin mit: Bewerbungsschreiben.”

Gut, denke ich mir, bring ich halt noch eins mit, ist ja kein Thema, aber mich wundert diese Fixiertheit auf Bewerbungsschreiben schon ein bisschen, ich habe denen ja schon zwei gemailt.

Ich komme also um 7:17 Uhr dort an. Stehe vor verschlossenen Türen. An denen immerhin ein Zettel hängt, der mich darauf hinweist, dass Kunden (ha) mit Termin doch bitte klingeln möchten. Ich folge dem aufgedruckten Pfeil nach rechts und identifiziere triumphierend die Klingel. Zwei Klingeln übereinander, ich weiß nicht, welche davon die richtige ist. Egal, ich entscheide mich für die obere.

Keine Reaktion. Innen laufen Menschen an der Glastür vorbei.

Untere Klingel.

Keine Reaktion. Innen laufen Menschen an der Glastür vorbei.

Hm.

Beide Klingeln gleichzeitig.

Keine Reaktion. Innen laufen Menschen an der Glastür vorbei.

Inzwischen bin ich nicht mehr alleine vor der Tür, es sind noch drei andere Kunden dazugekommen.

Ich starte einen letzten Versuch.

An einem Fenster neben dem Eingang bewegen sich die Vorhänge, eine körperlose Hand ist zu sehen. Tatsächlich kommt nun ein Mitarbeiter, öffnet die Tür und sagt mir, dass die Arbeitsagentur erst um 7.30 öffnet, und auch da erst die Tür aufgemacht wird.

Ich sage, zu diesem Zeitpunkt immer noch höflich, dass ich ja einen Termin hätte und man solle ja klingeln …

“Wir öffnen erst um 7:30 Uhr.”

Sagt’s und schließt die Tür wieder.

Es ist 7:26 Uhr.

Pünktlich um 7:30 Uhr ist Einlass.

Ihr Termin findet auf Serviceplatz 1 (Eingangsbereich) statt.

Vielleicht hat man das heute so:  Zumindest hier in Lampertheim gibt es direkt im Eingangsbereich der Arbeitsagentur Serviceplätze. Die sind mit ein paar Stellwänden abgetrennt, man kann also wirklich mit ein bisschen Konzentration hören, was an den anderen Plätzen gerade als Service ausgegeben wird. Sehen kann man das auch, durch die Durchgänge zwischen den Stellwänden. Die Kunden kann man dabei vom Eingangsbereich etwas besser sehen als die Servicekräfte.

Es stellt sich aber heraus, dass Serviceplatz 1 die Rezeption ist, besetzt von einem etwa 12 Jahre alten Mädchen, im folgenden Bericht von mir wertfrei als Empfangstrulla bezeichnet.

Ich gehe also hin, frage nach Serviceplatz 1 und erfahre: Ich bin schon richtig. Die Empfangstrulla fragt mich nach dem dem Bewerbungsanschreiben. Ich überreiche es und frage, ob ich zu jedem Termin eines mitbringen muss. “Nein, das war jetzt nur, weil wir von Ihnen noch keines haben.”

Auf meine Entgegnung, ich hätte aber doch bereits zwei per E-Mail geschickt, erfahre ich: Es ist angeblich nichts angekommen.

Die Empfangstrulla, in misstrauischem Ton: “Wo haben Sie das denn hingeschickt?”

Ich: “An die Adresse, die ich von Frau R. (meine zuständige Beraterin) bekommen habe, irgendwas mit Lampertheim123 …”

“Hier ist nichts angekommen. Haben Sie denn eine Bestätigung bekommen, dass das Schreiben bearbeitet wurde?”

“?”

“Daran merken Sie, dass es nicht angekommen ist.”

Aha. Hätte ich  mir gleich denken können, dass die E-Mail nicht angekommen ist, wenn ich diese Bearbeitungsbestätigung nicht bekomme! Ich Dummerle!

Leicht verwirrt frage ich, wem ich denn nun meinen Leistungsantrag geben dürfe.

Kurze Exkursion: Den Leistungsantrag habe ich schon seit Wochen und endlich war ist auch die Arbeitsbescheinigung vom Arbeitgeber dazugekommen . Ich rufe also bei der 01801-Nummer der Agentur für Arbeit an und frage, was ich jetzt damit machen solle. Erfahre, dass ich dafür von der für mich zuständigen Niederlassung einen Termin bekomme, an dem das direkt vorab bearbeitet wird, damit alle Informationen drin sind und ich auch gleich Auskunft bekomme. Gut.

Wenige Tage später bekomme ich auch meine Einladung, eben die für heute. Die ich, rückblickend durchaus dumm, dahingehend auslege, dass das der große Auftritt für meinen Leistungsantrag wird, und ich aus unerfindlichen Gründen halt auch noch ein Bewerbungsschreiben abgeben muss.

Zurück zu heute: Ich frage die Empfangstrulla also, was ich mit meinem Leistungsantrag anstellen solle. Sie gibt mir einen Termin für Montag. Ich bin nur mittelmäßig begeistert, und weil ich es einfach nicht glauben mag, frage ich noch ein letztes Mal nach:

“Das heute war also einfach nur, um das Anschreiben abzugeben?”

“Ja, weil Sie uns das noch nicht geschickt hatten.”

Als ich gehe, halte ich die Bezeichnung Serviceplatz für irreführender als je zuvor.

Ich muss zugeben: Wenn ich nicht von der frühen Uhrzeit und dem Serviceplatz 1 so abgelenkt gewesen wäre, hätte ich natürlich auch sehen können, dass auf der Einladung als Betreff tatsächlich Vorlage Bewerbungsanschreiben steht (genau genommen ist es die “1. Einladung”, was dem Ganzen einen unerwarteten und aufregend bedrohlichen Beigeschmack gibt).

Dumm gelaufen für mich.

Ich will ja nicht mal unterstellen, dass den Arbeitsagenturlern einer abgeht, wenn sie einen so vollkommen sinnlos rumscheuchen (doch, will ich eigentlich schon) .

Aber ich bin mir relativ sicher, dass ihnen nicht klar ist, wie unglaublich ineffizient sie sind. Ist es denn wirklich sinnvoller, mir eine Einladung zu schicken und mich wegen eines einzigen Blattes Papier antanzen lassen, als mich telefonisch, per E-Mail oder ja, meinetwegen auch per Post zu informieren, dass sie immer noch kein Anschreiben von mir haben, und ich solle ihnen das bitte zukommen lassen? Per Post, E-Mail, oder persönlich vorbeigebracht?

Abgesehen von meiner natürlich Faulheit und Abneigung gegen die Arbeitsagentur, die noch in kein Leben Freude, Stolz, oder Motivation gebracht hat (und bezahlte Arbeit wahrscheinlich auch nur durch Zufall vermittelt), ärgert mich aber auch:

Nicht alle von der Agentur Verwalteten wohnen in der Nähe der zuständigen Filiale. Ich habe heute nur eine Stunde meines Lebens und ein bisschen Hoffnung verloren.

Andere Menschen müssen eine mehr oder weniger lange Anfahrt in Kauf nehmen, müssen sich vielleicht einen Babysitter suchen, müssen sich damit abfinden, dass die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel aus einem 20-Minuten-Termin einen Vier-Stunden-Unternehmen macht, sie müssen sich eventuell ein Auto organisieren oder jemanden bitten, sie zu fahren. Und meine Fresse, Leute, ihr müsst mir das jetzt einfach unbesehen glauben: In dieser Lage auch noch ständig Familie oder Freunde um Hilfe bitten zu müssen … das macht keinen Spaß.

Gut, dass man willkürlich einen Termin aufgedrückt bekommt, den man wahrzunehmen hat, ok. Als Arbeitsloser wanzt man eh nur daheim auf dem Sofa rum und kratzt sich am Arsch, da ist es ja egal, oder?

Was aber auch bedacht werden sollte: Wer zu einem Termin der Arbeitsagentur geht, dem können die Fahrtkosten erstattet werden. Ob das wirklich gemacht wird, ist eine andere Sache, die finden ja gerne Möglichkeiten, einen auf den Kosten für ihren eigenen Scheiß sitzen zu lassen. Aber wenn die Kosten erstattet werden, ratet mal, woher das Geld kommt?

Genau.

Das sind eure Steuergelder.

Ihr zahlt also nicht nur die Angestellten der Agentur, die morgens an der Eingangstür vorbeigehen, Kaffeetasse in der Hand, Blick von der Tür abgewendet, um nur ja keinen Augenkontakt mit der dumpfen Masse der Arbeitslosen und Arbeitssuchenden zu machen. Ihr zahlt auch die Fahrtkosten für jemanden, der einfach nur ein einziges Blatt Papier abgeben muss. Ich wage zu behaupten, dass die Fahrtkosten nur selten niedrigen sind als die 55 Cent für das Briefporto.

Your tax money at work.

Mein Vater war jahrelang Kirchenpfleger unserer Kirchengemeinde. Das klingt zwar, als hätte er jede Woche das Weihrauchfässchen abgespült, bedeutet aber im Prinzip, dass er der Kassenwart der Kirchengemeinde war.

Er hat auch immer das Geld aus der Kollekte gezählt, und natürlich auch bei besonderen Sammelaktionen, darunter auch die Beute, die die Sternsinger mit nach Hause brachten. Ich habe ihm dabei manchmal geholfen – das war in den späten Neunzigern/frühen Zweitausendern. Ich erinnere mich an ein Jahr, das muss 2001 oder 2002 gewesen sein, da hatten wir die Sternsingerspenden von drei Tagen auf dem Küchentisch. Mein Vater wollte es nicht über das Wochenende zu Hause haben, und vor dem Gang zur Sparkasse zählten wir es.

Über 50.000 Euro.

Der Ertrag von nur drei Tagen.

Ich war total fasziniert davon, wie viel Geld die Leute spendeten. Es hieß ja auch damals schon, “die Leute” würden immer spendenunlustiger. Schwachsinn. Ich habe das aus Interesse ein bisschen mitverfolgt, so lange mein Vater das gemacht hat, und es wurde JEDES Jahr mehr gespendet als im Jahr vorher.  Sternsinger, Misereor, alles – jedes Jahr war es mehr.

Und das liegt weiß Gott nicht daran, dass die Gemeinde besonders groß oder besonders wohlhabend war. Das ist eine ganz normale katholische Gemeinde in einer ganz normalen evangelischen Gegend, mit damals vielleicht 1.500 Mitgliedern – die bestimmt nicht alle in die Kirche gingen.

Ich habe keine Erkenntnisse darüber, ob das meiste Geld in kleinen Portionen von Einzelportionen gespendet wurde, aber ich weiß eines: Viele Familien und viele Einzelpersonen gaben horrende Summen, an Weihnachten, den Sternsingern, für Misereor. Das war leicht zu erkennen, weil das Geld in einem Umschlag war mit dem Namen drauf – das brauchte mein Vater ja, um ihnen eine Spendenquittung auszustellen. In dem Umschlag war dann beispielsweise ein 500-Euro-Schein, so etwas hatte ich damals noch gar nicht gesehen.

Was ich mit dieser Geschichte sagen will: Spendenunlust, my arse.

Wie ich gerade heute darauf komme, fragt ihr? Ganz einfach. Ich habe schon öfter mal war über manomama gebloggt, etwa hier. Heute hat Sina auf eine Frau in einer Notlage aufmerksam gemacht und, weil sie ebenso schnellentschlossen wie großherzig ist, direkt eine Spendenaktion gestattet.

Auf Twitter habe ich dann in der Timeline eines Freundes verfolgt, wie eine andere Twitteruserin meinte, man solle doch bitte lieber für was Besseres spenden, und nicht für eine arbeitsfähige Frau und ihre vier erwachsenen Kinder.

Eine Frau und ihre vier Kinder, die übrigens, falls ihr dem Link oben nicht gefolgt seid, ihr Haus unter Umständen verlieren werden. Ihr Zuhause.

Das war seit langer Zeit das erste Mal, dass ich mich nicht im Fernsehen, sondern auf Twitter fremdgeschämt habe. Natürlich müsst ihr nicht für die Frau spenden, wenn ihr nicht wollt. Aber dann kommt doch bitte nicht mit so einer ARSCHPEINLICHEN Kackargumentation wie der  hier:

[...] Sie will keinem zur Last fallen. Da ist das appellieren ans Mitleid natürlich was ganz anderes. Eben ehemalige Event-Kauffrau… [...]Liebe Gutmenschen, wenn ihr helfen wollt, geht auf die Straße und seht mal genau hin; oder engagiert euch in sozialen Einrichtungen. Da findet ihr Menschen, denen es an Grundsätzlichem fehlt. Dazu gehört allerdings _nicht_ eine Hausrettung für 4 volljährige “Kinder” und deren nicht kranke oder behinderte Mutter – also arbeitsfähig. [...]

Mal ehrlich: Ist es wirklich sinnvoll, wenn alle Kinder (alle im bzw. vorm Studium oder in der Lehre) ausziehen und sich selbst was suchen?

Die Mutter kann sich klar eine neue Arbeit suchen – 57-Jährige werden ja bekanntermaßen immer gesucht auf dem Arbeitsmarkt. Scheiße, ich war mit 27 arbeitslos, und hab da schon kaum was gefunden!

Vor Jahren habe ich mal in einem Interview – mit einem Star, den ich natürlich prompt vergessen habe, und seinem besten Freund – einen Ausdruck kennengelernt, der mir sehr gut gefällt: Weißer Neid. Der soll angeblich aus dem Russischen kommen, und es bedeutet, dass man jemanden hass- und ränkelos um etwas beneidet.

Das kann ich gut verstehen. Ich beneide viele Leute um vieles: Bessere Frisur. Mehr Bücherregale. Schicke Duschkabine. Leidensfähigkeit im Hinblick auf hohe Schuhe. Talent für Salatdressings. Selbstbewusstsein. Geld … darum beneide ich fast jeden. Beneiden bedeutet, dass man etwas selbst auch gern haben möchte, was ein anderer hat.

Was ich nicht habe: Missgunst. Das bedeutet, dass man anderen nichts gönnt. Zum Beispiel wenn man meint, eine Familie habe es nicht verdient, dass ihr in einer schlimmen Lage geholfen wird.

Wir haben alle das Recht auf unsere eigene Meinung. Ihr könnt meinen, dass ihr lieber für andere Sachen spendet, oder gar nicht. Ihr könnt aus Mitgefühl spenden, aus Menschlichkeit, weil ihr nicht wisst wohin mit eurem Geld, oder ihr macht es wie ich und spendet, weil euch denkt “Vielleicht bin ich einmal in der gleichen Situation, und dann will ich mich nicht meines Geizes schämen müssen”. Ihr habt das Recht auf eure Meinung, egal wie sie aussieht.

Und ich habe das Recht auf meine Meinung. Und ich meine, dass die Alte einen an der Waffel hat und sich mit ihren Äußerungen als missgünstige Wohlstandswichserin geoutet hat.

Und dieses Mal sogar zeitiger als letzten Sonntag! Lob und Beifall bitte in den Kommentaren.

Ich habe den  Feiertagspudel wieder zum Geburtstagspudel (einmal im Jahr) “degradiert”, den Rest des Jahres darf er im dunklen Regal stehen und einfach nur hübsch aussehen. Der Grund? Mir hat der Granatapfel so leid getan, wie er da so ohne Lebenszweck auf dem Couchtisch gelegen war.

... dann drei ...

Habe ich eigentlich schon einmal wegen der Weihnachtsvögel rumgequengelt? Bestimmt habe ich das. Falls nicht, hier die Geschichte in Kurzfassung: Ich liebe diese gläsernen Vögel, die man an den Weihnachtsbaum klipsen kann. Je bunter, desto besser (außer im Fall meiner Weihnachtsamsel, die einfarbig schwarz und  superschön ist).

Ich hab auch ziemlich viele, also etwa zehn Stück – ich nenne das deswegen viele, weil ich noch nie einen eigenen Weihnachtsbaum hatte. Leider sind die Vögel verschollen, was mich sehr traurig macht. Ich hoffe immer noch, sie an Weihnachten bei meinen Eltern aufzutreiben. Und dann kommen sie alle an die Lampe.

Jedenfalls hat meine Mutter mir zum Nikolaus ein Päckchen geschickt, und da waren auch drei Vögel drin. Die hab ich jetzt, in Ermangelung eines Baumes und weil sie so überhaupt nicht an den Adventskranz passen, an meine Wohnzimmerlampe geklipst. Ich finde es wunderschön. Wenn ihr es nicht so toll findet, ist mir das ausnahmsweise mal egal.


Das Bild sieht etwas seltsam aus, weil ich es (natürlich) von unten aufgenommen habe, und dabei (natürlich) gegen das Licht fotografiert habe.

Und hier die obligate lustig/ärgerliche Post-Geschichte:

Ich habe gestern meiner Schwägerin ihr Geburtstagsgeschenk geschickt. In einem Biefumschlag, weil die Geschenkteile klein genug sind und Briefe ja oft einfach viel schneller ankommen als Päckchen und dabei viel billiger sind. Heute komme ich vom Einkaufen nach Hause und finde im Briefkasten: Meinen Brief an meine Schwägerin.

Ja, ich habe die Empfängeradresse (ihre, vorne auf dem Umschlag) und die Absenderadresse (meine, hinten auf dem Umschlag) etwa in gleicher Größe geschrieben.

Aber ist es denn von Postangestellten wirklich zuviel verlangt, sich einen Umschlag anzusehen, und dann die Adresse als Empfängeradresse zu verwenden, die auf der Seite des Umschlags steht, auf dem auch der Hinweis “ZERBRECHLICH” vermerkt ist? Und auf der, und das würde ich fast für das Knockout-Kriterium halten, auch die Labelfreimachung ist? Wirklich? Ist das zuviel verlangt?

Jedenfalls war es da eine Minute nach zwölf, und ich bin sofort wutentbrannt zur Post marschiert, die samstags bis um 12.30 offenhat, in ihrer unendlichen Güte und Kundenfreundlichkeit. Hat mir nicht viel gebracht, außer dass der Grund für diesen Patzer wohl war: “Ach, da haben die das wieder falschrum hingelegt …”

Außerdem habe ich mir beim Wutmarsch zwei große Blasen erlaufen, und bin zweimal mit dem Knöchel umgeknackst. Das wird sich jetzt noch durch die ganze Woche ziehen – einmal umknacksen heißt nur, dass die Bänder ausgedehnt werden, damit ich noch öfter umknicke.
Yay.

So, mal wieder ein Update. Obwohl ihr es nicht verdient habt, ihr treuloses Gesindel!

Hier kommt keiner mit einem Kommentar aus der Hüfte, aber beim Olschi können mindestens sechs von euch sich aufraffen und kommentieren! Ihr Schokoladenraffzähne!

Ich überlege, ob ich auch ein Gewinnspiel machen soll. Vielleicht mit Plätzchengewinn. Bei unter 10 Teilnehmern verlos ich erst gar nix.

Ja? Nein? Meinungen?

So. Los geht’s. Nee, Moment. Vorher ein Bild meines prachtvollen Geburtstagskuchens:

Der Pudel ist ab sofort mein offizieller Geburtstagspudel. Lügt nicht, ich weiß dass ihr neidisch seid, wegen des kompletten Ensembles. Das Bild gibt es auch in größer. Einfach draufklicken. Und dann nochmal. Nur zu, ich warte so lang.

Jetzt aber.

Ich habe mir am Samstag eine dringend benötigte neue Jeans gekauft. Gestern hab ich sie um 15 cm gekürzt. Doch, es war schon von vornherein die K-Größe. Ich finde, ich müsste wegen der geringen Körpergröße vom Staat irgendeine Sozialleistung beantragen können.

Die Etiketten sind in der Jeans so saublöd eingenäht, dass sie mich heute in der Seite wundgeschliffen haben. Außerdem: Ich hatte wieder den Gürtel mit der fetten Rodeoqueengürtelschnalle an. Die ist so groß, dass sie mir den weichen, empfindlichen Bauch aufschlitzt. Das ist schon die dritte kleidungsbedingte Verletzung innerhalb von drei Tagen. Quasi  der Hattrick der wardrobe malfeasance.

Rein aus Zufall hab ich übrigens die ideale Methode gefunden, aus billigen Lebkuchen hochwertige zu fälschen: Ihr müsst die einfach nur übers Wochenende zusammen mit Mandarinen in der Schreibtischschublade im schattig temperierten Büro liegen lassen. Danach erwarten euch saftige, teuer schmeckende Lebkuchen für den Montagsnachmittagsdurchhänger.

Und ich habe mir zum Geburtstag einen Kindle gekauft. Ich bin verliebt in das Gerät. Das dazugehörige Epos erzähle ich euch morgen. Bezahlt habe ich das übrigens von den edlen Geldspenden meiner Familie und Freunde.

Und  was  mir diese Woche mal wieder aufgefallen ist: Es gibt keine guten Grußkarten für Männer. Das ist eine echte Marktlücke. Und wenn einer von euch demnächst ein florierendes Männergrußkartenunternehmen hat, dann verklag ich den oder die, dass die Schwarte kracht!

Ich hatte ja neulich mal gute vier Wochen kein Fernsehen. Geht auch. Mir hat aber CSI NY gefehlt. Und Castle. Auf alles andere konnte ich aber überraschend gut verzichten.

Hmmm … was kann ich noch sagen?

Für den Kindle hab ich euch einen Extra-Eintrag versprochen … die Geschenke brauchen auch einen …. und ich muss auch noch Bücher laden.

Hm. Das war den Aufwand heute fast nicht wert, oder? Tut mir leid, ich gelobe Besserung!

Bis bald!

Apropos garnix: Bei der Plätzchenverlosung würde ich Schwarz-Weiß-Plätzchen, Haferplätzchen und, vielleicht, Florentiner verlosen. Klingt das lecker?

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